Achtung Kinder

Perfekt verzerrt

Im Schilderwald von Innenstädten können wichtige Informationen übersehen werden. Besonders wichtige Hinweise findet man daher zusätzlich auf dem Straßenbelag aufgemalt. Beispielsweise in der Nähe von Schulen das Verkehrszeichen “Achtung Kinder” oder Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Fährt man mit dem Fahrrad oder Auto darüber, wirken die Zeichen ganz normal. Das stimmt jedoch nur auf den ersten Blick. Hält man das aufgemalte Zeichen während der Überfahrt länger im Blick, fällt auf, dass es aus großer Entfernung zu flach erscheint. Beim Näherkommen wird es höher, bis die Proportionen optisch stimmen. Kurz vor dem Überfahren wirkt es wiederum zu hoch.

Betrachtet man das Zeichen vom seitlichen Gehweg aus, so fällt auf, dass alles stark verzerrt ist. Während bei den meisten Straßenschildern, die an Masten befestigt sind, Breite und Höhe in etwa gleich sind, so ist bei der Bodenmarkierung die Höhe deutlich länger als die Breite.

Die Verzerrung des Bildes ist nötig, weil die Zeichen nicht senkrecht vor dem Auge des Betrachter:in angeordnet sind, wie es bei der Befestigung am Schildermast der Fall ist. Bei letzterer Montageweise sind der obere und der untere Rand des Zeichens etwa gleich weit von der Betrachter:in entfernt. Der Blickwinkel zum unteren bzw. oberen Rand unterscheiden sich deutlich. Daher erkennt man einen Abstand zwischen unterem und oberem Rand, also die Höhe des Schildes. Gleiches gilt für die Breite des Schildes, welche ebenfalls durch deutlich unterschiedliche Blickwinkel erkennt. Beide Blickwinkel, der für die Höhe und der für die Breite sind etwa gleich.

Nicht so beim Aufmalen auf dem Boden. Der untere Rand des Zeichens ist dem Betrachter deutlich näher als der obere. Durch die flache Perspektive erscheinen oberer und unterer Rand aber nahezu unter dem selben Blickwinkel. Dem wird entgegengewirkt, indem die Abbildung in der Höhe stark gestreckt wird: So lange, bis der Blickwinkel demjenigen der Breite entspricht.

Einen ähnlichen Effekt können Sie beobachten, wenn Sie Straßenschilder seitlich betrachten. Geht man nur wenig aus der frontalen Betrachtungsweise zur Seite, merkt man kaum einen Unterschied. Wenn man aber deutlich seitlich schaut, so erscheint das Schild verzerrt. Es ist deutlich höher als breit. Das fällt einem meist jedoch erst bei genauerem Hinsehen auf, da wir Schilder so sehr gewohnt sind, dass wir automatisch das Idealbild aus unserem Gedächtnis hervorholen. Leichter zu erkennen ist es, wenn man das selbe Schild frontal und seitlich fotografiert und dann die beiden Fotos vergleicht.

Halten Sie in Ihrem Umfeld nach ähnlichen perfekt verzerrten Bildern ausschau. Man findet diese nicht nur auf dem Straßenbelag sondern zum Beispiel auch bei Werbung in Sportstätten. In letzteren insbesondere dann, wenn auch Kameras das Spiel ab und an verfolgen. Man spricht daher auch von Cam Carpets, also ein “Teppich”, der bei Betrachtung aus der Kameraperspektive ein richtig erscheinendes Bild ergibt.

Die folgende Website erläutert, wie man mit Hilfe der Vektorrechnung einen exakten Cam-Carpet erstellen kann: https://www.geogebra.org/m/cvmyzugu

Cam Carpet aus einem Schülerprojekt von Jakob Heimann und Moses Mayer
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