Menschliche Maße

Der Körper als Maß aller Dinge

Abbildungen des menschlichen Körpers schmücken zahlreiche Hauswände. Meist wollen sie  Geschichten erzählen oder die Ästhetik des Menschen veranschaulichen. Andere hingegen verstehen die menschlichen Proportionen als Grundlage für Maße und Längeneinheiten. Körperteile wie Finger, Hände und Arme geben Längenverhältnisse vor. Besondere Beachtung findet der Bauchnabel, welcher den menschlichen Körper in einen längeren unteren Teil und einen kürzeren oberen Teil gliedert.

Der Bauchnabel teilt den Körper in einem besonderen Verhältnis: Im Goldenen Schnitt, welcher nahezu die Relation 5 zu 8 bildet. Im 19. Jahrhundert kam der Goldene Schnitt in Mode und man glaubte ihn überall finden zu können: an unzähligen Stellen des Körpers, in der Kunst und Architektur sowie bei Objekten der Natur. Es wurde sogar ein spezielles Messgerät verwendet, der Goldene Zirkel, um das Längenverhältnis entdecken zu können.

Architekten der Neuzeit haben sich davon inspirieren lassen und versuchen aus dem Goldenen Schnitt Maße für ihre Gebäude abzuleiten. Der berühmteste Vertreter dieser Idee ist Le Corbusier (1887 – 1965), der mit seinem “Modulor” ein ganzes System von Maßen entwickelte. Höhen für Stühle und Tische wurden genauso vom Menschen abgeleitet wie Fenster- und Raummaße.

Der Modulor von Le Corbusier am Corbusierhaus in Berlin

Die Verwendung menschlicher Maße ist jedoch viel älter. Frühere Maßeinheiten wie “Elle”, “Fuß” und “Spanne” erinnern uns noch daran. Die Festlegung von Längeneinheiten blieb lange uneinheitlich, so konnte eine Elle in Deutschland zwischen 50 cm und 85 cm schwanken. Um zumindest in einer Stadt einheitlich zu messen, wurden Stäbe entsprechender Länge, sogenannte Ruten, an zentralen Orten aufbewahrt.

Messen Sie einmal die Handspanne bei den Menschen Ihrer Familie oder Ihres Freundeskreis aus. Man meint damit die Länge zwischen Daumen und kleinem Finger, wenn man diese möglichst weit auseinander spreizt. Die Handspanne wird üblicherweise mit 20 cm angegeben. Wie viel Zentimeter sind es bei Ihnen?

Wenn es um größere Längen geht, kann man in Schritten messen, die im Idealfall einem Meter pro Schritt betragen. Daraus kann man einen kleinen Wettbewerb machen: Wer schafft es am besten, mit 20 Schritten eine Länge von 20 Metern abzumessen?

Le Corbisier: Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maszes im menschlichen Maszstab. München: Deutsche Verlagsanstalt, 2013

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